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Benedikt Krayer
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13.09.2022
UL Type Rating vs. NEMA Rating: Wo ist der Unterschied?

UL Type Rating vs. NEMA Rating: Wo ist der Unterschied?

In den USA gibt es zwei Einteilungen von Schutzklassen fĂŒr GehĂ€use elektrischer GerĂ€te. Die eine ist das NEMA Rating, das andere das UL Type Rating. Auf den ersten Blick scheinen sich beide nicht sonderlich zu unterscheiden. Warum sie dennoch nicht beliebig austauschbar sind und was das in der Praxis bedeutet, erklĂ€ren wir in diesem Beitrag.

Bezug zu UL

Durch den Standard der NEMA bzw. von UL können Maschinen und Anlagen fĂŒr eine entsprechende Umgebung ausgelegt werden.

Warum ein NEMA Rating kein UL Type Rating ersetzen kann

Bei elektrischen GerĂ€ten erfĂŒllen GehĂ€use vor allem zwei Zwecke: Zum einen schĂŒtzen sie den Anwender vor dem Kontakt mit gefĂ€hrlichen Teilen in ihrem Innern, zum anderen schĂŒtzen sie ebendiese Komponenten vor potenziell schĂ€dlichen Ă€ußeren EinflĂŒssen, wie Wasser, Öl oder Staub. Um den Grad der Schutzwirkung zu bestimmen, gibt es in den USA zwei Rating-Systeme – das von UL und das der NEMA. Beide bedienen sich derselben Einteilung von Schutzklassen. Dennoch kann ein NEMA-Rating niemals ein adĂ€quater Ersatz fĂŒr ein UL Type Rating sein. Doch warum ist das so?

UL Type Rating fĂŒr GehĂ€use von SchaltschrĂ€nken exemplarisch dargestellt

NEMA-Rating

Die National Electrical Manufacturers Association (NEMA) ist die Interessenvertretung der US-amerikanischen Elektroindustrie. Sie veröffentlicht einige Standards, die Anforderungen an die Erzeugnisse dieser Industriesparte definieren. Einer davon ist der NEMA-Standard 250, der sich mit GehĂ€usen fĂŒr elektrische Anlagen mit einer Betriebsspannung von weniger als 1.000 Volt befasst. Er enthĂ€lt Anforderungen bezĂŒglich der Schutzwirkung solcher GehĂ€use gegen das Eindringen von Staub, Wasser und Öl, sowie ĂŒber den Korrosionsschutz, die WandstĂ€rke und vielem mehr.

Die Einhaltung des NEMA-Standards obliegt allein dem jeweiligen Hersteller. Es liegt in seiner Verantwortung, zu versichern, dass seine Erzeugnisse dem Standard entsprechen. Damit ein Hersteller die entsprechende Versicherung abgeben kann, sind keine praktischen Tests erforderlich. Insbesondere ist auch keine PrĂŒfung durch die NEMA oder ein unabhĂ€ngiges Institut vorgesehen.

UL-Type-Rating nach UL 50E

Die Underwriters Laboratories (UL) sind ein von der amerikanischen Occupational Safety and Health Administration (OSHA) anerkanntes, unabhĂ€ngiges PrĂŒflabor, das Produkte auf ihre Sicherheit prĂŒft. Dazu bedient sich UL selbst entwickelter Normen. Der Standard fĂŒr die PrĂŒfung von GehĂ€usen fĂŒr elektrische GerĂ€te ist die UL 50. Diese wird von der UL 50E ergĂ€nzt, die die umweltbezogenen Konstruktionsanforderungen regelt. Die in der UL 50E niedergelegten Schutzklassen entsprechen in ihrer Einteilung jenen des NEMA-Standards 250, wobei die genauen Anforderungen sich jedoch teilweise unterscheiden.

Der signifikante Unterschied ist aber, dass die ErfĂŒllung der Vorgaben bei einem UL Type Rating nicht durch den Hersteller zugesagt wird, sondern dass UL dies unabhĂ€ngig prĂŒft. Der Anwender kann sich also sicher sein, dass bei einem UL-zertifizierten GehĂ€use der versprochene Schutz durch GehĂ€use, Interlock usw. auch tatsĂ€chlich gegeben ist.

Welche Schutzklassen gibt es bei NEMA- und UL Type Ratings?

NEMA und die UL kennen insgesamt 13 verschiedene Schutzklassen. Die Klassen 1, 2, 5, 12, 12K und 13 gelten fĂŒr GehĂ€use, die zum Einsatz im Innenbereich gedacht sind, wohingegen die Klassen 3, 3R, 3S, 4, 4X, 6 und 6P die Anforderungen an GehĂ€use fĂŒr Außenbereiche regeln. Die Anforderungen der einzelnen Schutzklassen reichen dabei vom Schutz vor dem Eindringen groben Schmutzes (Typ 1) bis zu einer zuverlĂ€ssigen Wasserdichtigkeit bei dauerhaftem Untertauchen (Typ 6P). Allen Klassen gemein ist, dass die GehĂ€use einen Kontakt mit gefĂ€hrlichen Teilen in ihrem Innern bis zu einem gewissen Grad verhindern mĂŒssen.

Gibt es unterschiedliche Anforderungen bei NEMA und UL?

Bei den meisten Schutzklassen unterscheiden sich die Anforderungen, die an die jeweilige Klasse gestellt werden, nicht zwischen dem NEMA-Standard und der UL 50E. Ausnahmen bilden hierbei die Klassen bzw. Types 6, 6P, 12, 12K. Schauen wir uns diese Unterschiede einmal am Beispiel der Klassen 6 und 6P an.

WĂ€ren die NEMA fĂŒr Type-6-GehĂ€use lediglich einen Schutz gegen Schlauchwasser verlangt, listet UL auch noch Schnee, Schneeregen und Regen auf. Da beide Normen fĂŒr diese Schutzklasse jedoch auch einen Schutz gegen zeitweiliges (Type 6) bzw. dauerhaftes Untertauchen (Type 6P) verlangen, sind diese Unterschiede aber eher formeller Natur. Einzige praxisrelevante Ausnahme hierbei ist der Korrosionsschutz, den nur UL fordert.

UL 50 und UL 50E fĂŒr GehĂ€use von SchaltschrĂ€nken

Was ist mit dem IP-Rating?

Ein drittes Rating zur Einstufung des Schutzgrades eines GehĂ€uses ist das IP-Rating. IP steht fĂŒr Ingress Protection (Schutz gegen Eindringen) und adressiert ebenfalls feste Fremdkörper, insbesondere Staub, und FlĂŒssigkeiten. Die Einteilung in IP-Schutzgrade ist international anerkannt und richtet sich nach dem internationalen Standard EN 60529 (bzw. in der EuropĂ€ischen Union nach dem Standard IEC 60509:1989). FĂŒr die Zuerkennung eines IP-Schutzgrades ist, wie beim UL Type Rating, die PrĂŒfung des entsprechenden GehĂ€uses durch ein unabhĂ€ngiges Institut nötig.

Kann ein IP-Schutzgrad also ein UL Type Rating ersetzen? Nein, denn UL besteht auf die entsprechende PrĂŒfung nach eigenen Normen. Es ist also einfach: Selbst wenn ein GehĂ€use bereits ĂŒber ein IP-Rating verfĂŒgt, das fertige Endprodukt aber eine UL-Zulassung bekommen soll, muss auch das GehĂ€use noch entsprechend der UL 50 bzw. 50E geprĂŒft werden.

Zusammenfassung

NEMA-Rating vs. UL Type Rating

Die Einteilung der Schutzklassen unterscheidet sich nicht zwischen dem NEMA-Standard 250 und der Norm UL 50. Lediglich innerhalb der einzelnen Schutzklassen gibt es Unterschiede, welche Anforderungen an die GehĂ€use genau gestellt werden. UL erkennt dennoch keine NEMA-Ratings an, da die Underwriters Laboratories mit ihrem Siegel ein in den USA weithin anerkanntes Label fĂŒr die Sicherheit von Produkten vergeben. Um die hohen Anforderungen von UL zu erfĂŒllen, reicht eine simple Selbstversicherung des Herstellers, wie sie die NEMA verlangt, nicht aus.

Über den Autor Benedikt Krayer

Als Experte fĂŒr UL-zertifizierte SchaltschrĂ€nke verfĂŒge ich ĂŒber ein tiefgreifendes Fachwissen, das es mir ermöglicht, die Anforderungen des nordamerikanischen Marktes genau zu verstehen und effektiv darauf zu reagieren. Dabei steht fĂŒr mich immer der Kundennutzen im Mittelpunkt.

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